Diesen Auftrag vermittelte mir meine Repräsentanz Jutta Kleinert aus München. Vielen Dank dafür.

Ein 3D-Truck-Design für eine Roadshow

Das Unternehmen Renault Trucks plante für seine Roadshow, TOUR DE DYNAMICS, drei LKWs mit einem ungewöhnlich auffälligen Truck-Design ausstatten zu lassen. Die Grundidee war, sich dabei formell an die Roboter der Transformers-Filme aus Hollywood anzulehnen. Der Kunde stellte sich ein Design vor, das Zugmaschine und Auflieger nicht getrennt behandelte, sondern die Flächen des gesamten Gespanns ohne optische Trennungen bis hinab zu den SideWings ausfüllen sollte. In der Entwurfsphase führten Abstimmungen dazu, die Priorität auf Stromlinienförmigkeit zu legen, obwohl die Kastenform von Sattelzugaufliegern keine optimalen Voraussetzungen dafür bietet. Zugmaschine, Auflieger, einschließlich der Seitenfahrschutzsysteme, mussten dafür maßstabsgetreu in einem Plan kombiniert werden. Die technische Zeichnung, auf der ich meine Arbeit aufbaute, ließ der Kunde auf meinen Wunsch hin von dem Betrieb anfertigen, der später die Beklebung der LKWs durchführen sollte.

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Vorentwürfe im Vektorprogramm

Ich erhielt eine entsprechende Vektordatei als PDF und begann die Entwürfe für das Design anzufertigen. Das wegen der hohen Detaildichte schwerfällig zu handhabende PDF konvertierte ich dafür in ein hochauflösendes Bitmap. Für die Entwurfsphase war in meinen Augen die Software Affinity Designer deutlich besser geeignet als Adobe Illustrator oder Photoshop. Mir geht die Vektorbearbeitung in Affinity Designer besser von der Hand. Zudem verfügt die Software über sehr leistungsfähige, interaktiv reagierende Effekteinstellungen und Ebenenmodi.Entwurf für ein Truck-Design
Wie das Beispiel zeigt, konnte ich dank der Flexibilität von Affinity Designer die angestrebte Plastizität der inneren Maschinenteile, sowie der darüber liegenden Freiformflächen ergebnisnah skizzieren, um sie mit dem Kunden abzustimmen.

Das rudimentäre 3D-Modell

Nach Freigabe des grundsätzlichen Stils, der Formen, Farben sowie der Anordnung von Headlines und Logo, machte ich mich daran, das Design als 3D-Modell anzulegen. Das war unerlässlich, da nur so die Ansichten für alle vier Seiten des Trucks schlüssig zu konstruieren waren. Zudem ermöglichte mir die 3D-Software Cinema 4D, alle virtuellen Werkstücke von einer realistisch wirkenden Spiegelsphäre beleuchten zu lassen. Dieses Verfahren sorgte für den angestrebten Realismus, kostete aber deutlich mehr Rechenzeit, als eine herkömmliche Beleuchtung. Das 3D-Modell war in sofern rudimentär, als es lediglich die Druckvorlagen für die benötigten zweidimensionalen Ansichten zu liefern hatte. Den kompletten Truck maßstabsgetreu virtuell nachzubauen, hätte den Kosten- und Zeitrahmen deutlich überzogen.

Ich renderte jede der vier Projektionen für die LKW-Beklebung auf einer kleinen Renderfarm. Dennoch benötigte die Auflösung von 28500 x 8060 Pixeln pro Seite mehr als die kalkulierten achtundvierzig Stunden Rechenzeit.

3D-Modell zu einem Truck-Design

Vorbereitungen für den Druck

Eine weitere knifflige Phase der Arbeit war das Anlegen des Anschnitts. Der verarbeitende Betrieb SIGNal Design GmbH bat mich, die auslaufenden Ränder der Illustration großzügig zu erweitern, damit genug Spielraum für das nahtlose Ansetzen der Front- und Heckansichten vorhanden war. Mir war klar, dass die abgerundeten Ecken der Zugmaschine, sowie deren Dachspoiler, eine Herausforderung für die Beklebung darstellen würde und bemühte mich, die Anschlusszonen entsprechend homogen zu gestalten.

Die ursprüngliche Farbe der Karosserieflächen auf der Illustration war grün, was sich auf die Farbspiegelungen der Maschinenteile auswirkte. Da der Kunde das Design in drei verschiedenen Farben bestellt hatte, separierte ich die Maschinenteile von den Freiformflächen und konvertierte die Dateien für die Druckausgabe von RGB nach CMYK. Im Photoshop erhielten die Maschinenteile danach einen einheitlich neutralen Look, und die farbigen Bestandteile justierte ich genau auf die bestellten drei Farben ein.

Letztendlich montierte ich meine Druckvorlagen in die vom verarbeitenden Betrieb zur Verfügung gestellte Vektorzeichnung; für jede der drei Farbversionen eine eigene Kopie.

Druckvorlage-Renault-Truck-Design

Plakative Vorlagen perfekt umgesetzt

Die Gespanne sind zu Kunstobjekten geworden, die mit 4 auf 16 Metern schon allein ihrer Ausmaße wegen beeindrucken. Es handelt sich um 3 rundum nahtlos mit bedruckter Folie beklebte LKWs, die auf den Straßen für die beabsichtigte Aufmerksamkeit sorgen dürften. Dass die Truck-Design Realisierung auch in der analogen Welt überzeugt, liegt auch an der Professionalität der Kollegen von SIGNal Design, die offensichtlich sehr gewissenhaft vorgegangen sind. Ich konnte keinerlei Blasen oder schlecht passende Anschlüsse erkennen.

Die Kundin ließ mich wissen, dass sie mit dem Ergebnis sehr zufrieden sei, was mir beim ersten Termin der Renault Trucks Dynamics Tour auf einem Autohof in der Nähe Münchens von Renault-Mitarbeitern bestätigt wurde.

Der hohe Schwierigkeitsgrad dieser Aufgabe war eine Herausforderung, die meinen diesbezüglichen Erfahrungsschatz deutlich erweitert hat.

Informationen zu Herstellung und Hintergrund der Vollverklebung lesen Sie in diesem Artikel von SIGNal Design.

Truck-Design für den LKW-Hersteller Renault Trucks

Verschenktes Potential?

Da draußen fahren zigtausend LKWs mit Anhängern oder Sattelzugaufliegern vorbei, deren kinoleinwandgroße Flächen effektiv und problemlos plakative Werbebotschaften transportieren könnten. Warum wird dieses Potential so selten genutzt?

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